NFC: Das Handy als Bahnticket und Geldbörse

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Bei NFC handelt es sich um eine Funktechnologie, die eine Datenübertragungsrate von maximal 424 kBit/s bereitstellt. Die Reichweite ist jedoch auf rund 10 Zentimeter beschränkt, weshalb sie nicht als Konkurrenztechnologie zu Bluetooth betrachtet werden kann, welches Kommunikation über Reichweiten von 10 bis sogar 100 Metern ermöglicht. Damit ein Datenaustausch via NFC stattfinden kann, muss das Handy also sehr nah an den anderen Funkchip herangehalten werden.

Erstes deutschlandweites Projekt: Bahnfahrkarten an „Touchpoints“
Der Chip kann aber auch in Pfeilern, Bildschirmen oder sogar Filmplakaten integriert sein. Dies macht sich zum Beispiel das Projekt Touch & Travel der Deutschen Bahn zu Nutze. In Zusammenarbeit mit T-Mobile und Vodafone wurden auf Testbahnhöfen sogenannte „Touchpoints“ aufgestellt. Das Touch&Travel-Angebot bietet die Deutsche Bahn deutschlandweit in den Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn, in der Berliner S-Bahn sowie im öffentlichen Nahverkehr von Potsdam und Teilen des Rhein-Main-Gebietes an.

Die Nutzung ist denkbar einfach: Das Handy wird vor dem Einsteigen kurz an den Touchpoint des Einsteigebahnhofs gehalten und erneut an den Touchpoint des Zielbahnhofs. Das System berechnet anschließend den Fahrtpreis aufgrund der zurückgelegten Wegstrecke und stellt diesen dem Kunden später in Rechnung. Tickets und die Suche nach lästigem Kleingeld werden dadurch überflüssig. Ferner berücksichtigt das System im Nahverkehr sogar, ob Einzeltickets oder Tageskarten preiswerter kommen. Monatsfahrkarten, Spartarife oder das City-Ticket bei Fernverkehrsfahrten mit Bahncard werden nicht berücksichtigt, die Bahncard-Boni dagegen schon.

Der große Haken: Bislang können nur Kunden von T-Mobile und Vodafone auf diesen Service zurückgreifen. Ferner benötigt man die entsprechende App, die bislang nur für das iPhone und Android-Smartphones zur Verfügung steht.

Regelbetrieb vielfach noch fern
Andere Anwendungsmöglichkeiten sollen folgen, machen sich derzeit aber noch rar. Angedacht ist zum Beispiel der Abruf von Filmtrailern, Kinoinformationen und Filmkritiken durch das Berühren eines mit NFC-Chip ausgestatteten Filmplakates. Auch das bargeldlose Bezahlen von Theaterkarten oder gar Zigarettenpackungen ist noch Zukunftsmusik. Denn hier gibt es noch Sicherheitsbedenken: Nicht jeder soll das Handy nutzen können, der Besitzer muss schließlich eindeutig identifizierbar sein. Dies kann zum Beispiel durch die Kopplung der NFC-Abfrage an die SIM-Karte und die Eingabe eines Passwortes geschehen. Dadurch wird Vorgang aber gleich wieder komplexer als gewünscht…

Handys mit NFC dagegen bald Regel
NFC-fähige Endgeräte stehen hingegen vor ihrem Durchbruch. Während die Technik lange Zeit von den Herstellern mangels Anwendungsmöglichkeiten ignoriert wurde, geht es jetzt plötzlich ganz schnell. Nokia möchte künftig alle seine Highend-Smartphones mit einem NFC-Chip ausstatten. Dabei hat Nokia auch einen echten Zusatznutzen im Gepäck: Beispielsweise können bestimmte Nokia-Headsets per NFC mit dem Handy gekoppelt werden – ohne langes Pairing, einfach durch das Aneinanderhalten der Geräte.

Und auch Android-Handys werden künftig verstärkt mit NFC-Chips erscheinen: Seit Version 2.3 wird der entsprechende Standard zumindest Software-seitig regulär unterstützt. So reicht es für das Aufbauen einer Bluetooth-Verbindung, zwei NFC-fähige Androiden aneinanderzuhalten. Google ist es auch, das NFC nun forciert als Bezahlmöglichkeit durchsetzen möchte: So sollen künftig Zahlungen per Google-Handy in 124.000 US-Geschäften an Mastercards kontaktlosen PayPass-Terminals akzeptiert werden. Das Bezahlsystem wird allerdings zunächst nur in fünf US-Städten verfügbar und ausschließlich mit dem Google Nexus S des US-Providers Sprint nutzbar sein. Natürlich ist anschließend eine weltweite Umsetzung des Konzeptes angedacht – unsere Bezahlgewohnheiten stehen also doch endlich vor einer echten Revolution.

Stand: 11/2011

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