EDGE: Der Datenturbo für GPRS

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EDGE steht für Enhanced Data Rates for GSM Evolution. Als Weiterentwicklung des üblichen GPRS-Standards soll EDGE schlicht die Geschwindigkeiten bei der Datenübertragung in GSM-Netzen erhöhen. Während bei GPRS im Mittel 40 kBits/s erreicht werden, sind mit EDGE derzeit bis zu 384 kBit/s im Downstream und 220 kBit/s im Upstream möglich. Die marktüblichen Handymodelle der sogenannten „EDGE-Klasse 10“ unterstützen aber meist nur bis zu 260 kBit/s im Downstream. Es gibt aber bereits einige Handy-Modelle mit höheren EDGE-Klassen. Theoretisch wären mit EDGE sogar bis zu 473 kBit/s denkbar.

Dank EDGE kann also eine Übertragungsgeschwindigkeit erzielt werden, die etwa dem sechsfachen eines ISDN-Kanals entspricht. Damit ist EDGE mittlerweile ebenso schnell wie UMTS, aber deutlich langsamer als dessen Datenturbo HSDPA mit (je nach Ausbaustufe) bis zu 14,4 MBit/s. Der Mehrwert gegenüber reinem GPRS ist aber unbestreitbar. Zumindest, wenn es um das Herunterladen von Dateien oder E-Mails geht. Bestimmte Anwendungen wie Audio- oder Videostreams leiden jedoch unter den notorisch hohen Antwortzeiten von EDGE: Diese liegen mit rund 450 ms rund neunmal höher als bei DSL.

Wer kann EDGE nutzen?
Der Vorteil von EDGE liegt für die Netzbetreiber darin, dass nicht wie bei UMTS ein komplett neues Netz aufgebaut werden muss. Es muss lediglich die bestehende Infrastruktur aufgerüstet werden – was schneller geschehen kann und die Netzbetreiber weniger kostet. Dennoch rüsten nicht alle Netzbetreiber ihre Mobilfunknetze gleichmäßig mit EDGE auf. Bislang bieten lediglich T-Mobile und Vodafone EDGE weitestgehend flächendeckend an, wobei T-Mobile die Nase minimal vorn hat. Noch weist die Versorgungskarte von Vodafone nämlich vorwiegend in gut mit UMTS versorgten Gebieten Lücken bei EDGE auf.

o2 dagegen hat etwas später mit dem Netzausbau begonnen. Hier sollen definitiv bevorzugt Gebiete versorgt werden, in denen UMTS nicht verfügbar ist. Versorgungszahlen sind unbekannt. Dafür will o2 mit 384 kBit/s das schnellste EDGE-Netz bieten, T-Mobile bietet nur 260 kBit/s, Vodafone 220 kBit/s. E-Plus-Kunden wiederum guckten lange Zeit sogar komplett in die Röhre: Der vierte Netzbetreiber wollte gar kein EDGE einführen. Doch dann ging es plötzlich doch recht zügig und seit Ende 2009 sollen fast 90 Prozent der E-Plus-Kunden EDGE nutzen können – wie bei o2 vornehmlich in Regionen, die kein UMTS haben.

Ausblick: Evolved EDGE
Die Datenraten von EDGE sollen ähnlich wie jene von UMTS mittelfristig angehoben werden. Mehrere Netzwerkausstatter arbeiten an entsprechenden Verbesserungen des Standards. Mit Evolved EDGE sollen Übertragungsraten von bis zu 1,2 MBit/s im Download erreicht werden. Als erster Netzwerkausrüster hat nun Ericsson verkündet, die Technologie einzuführen. Angeblich reiche dazu ein simples Software-Update der bestehenden Netzwerk-Infrastrukturen aus.

Evolved EDGE wird je nach Anbieter unterschiedlich bezeichnet. Ericsson nennt das Ganze EDGE Evolution, der konkurrierende Netzwerkausstatter Nokia Siemens Networks dagegen EGPRS 2B. Wieder andere Unternehmen bezeichnen die Technologie als EDGE+. Doch auch, wenn Evolved EDGE nun langsam aber sicher kommt: Nutzen kann man die schnelleren Geschwindigkeiten erst, wenn es auch Handys gibt, die Evolved EDGE unterstützen.

Stand: 10/2010

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